11 Jun 2018

Intimbereich – Informationen zur Schamlippenreduktion

Körperliche Freiheit im Intimbereich hat an Bedeutung gewonnen. Eine Schamlippenreduktion (Verkleinerung der inneren Schamlippen) hilft vielen Frauen. Ein Interview mit Dr. med. Colette Carmen Camenisch.

Wieso ist die Intimchirurgie in der heutigen Zeit ein Thema?

Verjüngung ist eines der Haupthemen der plastisch-ästhetischen Chirurgie. Ein offener Umgang mit dem Thema „Intimität“ zeigt sich überall: in den Print- und Online Medien, Instagram etc.

Welche Frauen stören die inneren Schamlippen?

Oftmals belasten zu grosse, zu dicke und/oder zu lange Schamlippen (Labien) die Patientinnen körperlich: sowohl junge Frauen als auch Frauen im mittleren Alter. Aber auch nach Geburten (z.B. Zangengeburt) können Schamlippen einreissen und sehen asymmetrisch aus. Angeborenen Missbildungen (sog. kongenitale Varianten von zu grossen oder asymmetrischen inneren Schamlippen) gibt es ebenfalls.

Wann fühlen sie sich eingeschränkt?

Sie fühlen sich beim Tragen enger Kleidung, beim Fahrradfahren und beim Sport beeinträchtigt. Sexualität ist auch ein Thema: Scham und Abweisung dem Partner gegenüber sind nicht selten zu beobachten. Manchmal führen zu grosse, asymmetrische oder ungewöhnlich dicke Labien (Schamlippen) zu einem medizinischen Problem; wenn sie mechanisch störend sind.

Was sind die Gründe für einen Eingriff?

Verschiedene retroperspektive amerikanische Studien in den Jahren zwischen 2008 und 2012 zeigen Gründe für eine Operation der inneren Schamlippen auf. 14 – 40 % Prozent der Frauen geben reine ästhetische Gründe an, wobei 30 – 80 % kombiniert funktional-ästhetische Gründe angeben. Eine Studie mit 550 Frauen hat ergeben, dass 97,8 % der Patientinnen mit den inneren Schamlippen unzufrieden waren. Rund 96,9 % störten sich am Aussehen der (zu dunklen) Schamlippenränder.

Wie kommt es zu grossen Schamlippen?

Anatomische Veränderungen der Schamlippen im Alter sind ein Grund. Je älter die Patientin wird, desto grösser werden die inneren und desto kleiner die äusseren Schamlippen. Schwangerschaften, Hormonkuren und Gewichtszunahme ändern die Anatomie und die Volumenverteilung ebenfalls. Natürlich gibt es auch genetische und kulturelle Unterschiede bei Pigmentierung und Grösse der Schamlippen. Mechanisch störend sind die inneren Schamlippen dann, wenn sie sich nicht mehr von den äusseren Labien decken lassen. Das führt zu Austrocknung und kann Schmerzen verursachen.

Wie heisst die Operation?

Als Labioplastik (synonym: Labioplastie, Schamlippenplastik, Schamlippenkorrektur) werden Operationen genannt, die zur Reduktion oder Rekonstruktion der Schamlippen führen. Die am weitesten verbreitete Form der Labioplastik ist die Schamlippenverkleinerung.

Was wird operiert?

Vor der Operation wird besprochen, wie die Schamlippen verkleinert werden. Unter sterilen Bedingungen wird der Gewebe-Überschuss der kleinen Schamlippen operativ entfernt. Die Naht wird mit selbstauflösenden Fäden versorgt. Eine Entfernung des Nahtmaterials ist meistens nicht notwendig. Neben einer eingehenden Aufklärung, Bildbesprechung der Operation und körperlichen Untersuchung braucht es manchmal auch eine gynäkologische Abklärung.

Wie ist der Heilungsverlauf?

Wie bei jedem Eingriff können Komplikationen auftreten; z.B. Wundheilungs-Störungen, Nachblutungen und Schwellungen. Sehr selten sind auch lang andauernde Beschwerden wie Missempfindungen und Taubheitsgefühl möglich. Bis zur vollständigen Abheilung und Abschwellung vergehen ca. 3 – 4 Wochen. Während der Abheilungszeit sollte man keinen Sport treiben. Auch Geschlechtsverkehr ist nicht erlaubt. Die Arbeitsunfähigkeit beträgt ca. 4 Tage. Der Eingriff ist relativ klein. Die Narbe ist nach der Abheilung unauffällig resp. kaum mehr sichtbar.

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Colette Camenisch
Ich bin Fachärztin für Chirurgie (FMH) und Fachärztin für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie (FMH) und leite die «Clinic Beethovenstrasse» in Zürich. Mein Spezialgebiet sind Brustverkleinerungen, Brustvergrösserungen, Schamlippenverkleinerungen und Faltenbehandlungen mit Hyaluronsäure (Filler).
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