22 Apr 2017

Schönheitsoperation im Ausland? Überlegen Sie sich’s gut!

Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer kaufen im Ausland ein. Persönlich in grenznahen Lebensmittelgeschäften. Und online in Shops im World Wide Web. Was liegt also näher, als für eine Brustvergrösserung, eine Brustverkleinerung oder eine Fillerbehandlung ins Ausland zu reisen? Denn eines ist sicher: Schönheitsoperationen im Ausland sind günstiger als in der Schweiz. Zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick bezahlt man für Behandlungen bei einem «Schönheits-Chirurgen» im Ausland oftmals deutlich mehr. Und das nicht nur in Form von Geld: Weitaus mehr «Schönheits-Touristen» bezahlen für Behandlungen im Ausland mit einem Aussehen, mit dem sich nicht identifizieren können. Und was gibt es Schlimmeres, als sich in der eigenen Haut nicht mehr wohlzufühlen?

Als Fachärztin FMH für ästhetische und plastische Chirurgie behandle ich Jahr für Jahr zahlreiche Patientinnen und Patienten, die sich im Ausland einer billigen Behandlung unterzogen haben. Und meinen Kolleginnen und Kolleginnen in Basel, Bern und Luzern geht es nicht anders. In einigen Fällen sind Korrekturen notwendig, weil die Eingriffe fachlich nicht korrekt ausgeführt wurden. In meinem Artikel «Schönheitsoperation? Das müssen Sie wissen!» zeige ich auf, dass sich im Prinzip alle Ärzte und Ärztinnen «Schönheitschirurg» respektive «Schönheitschirurgin» nennen und entsprechende Operationen vornehmen dürfen – auch wenn sie gar keine Facharztausbildung für ästhetische und plastische Chirurgie besitzen. Die Gesetze im Ausland sind oft noch lascher, und vermeintlich kompetente Personen sind schlicht nicht oder nicht genügend ausgebildet. Werden Operationen im Ausland nicht fachgerecht durchgeführt, ist unter Umständen eine Revisions-Operation in der Schweiz notwendig. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das: Sie bezahlen doppelt!

Viele Behandlungen werden auch im Ausland einwandfrei durchgeführt. Trotzdem sind viele Männer und Frauen am Boden zerstört, wenn sie meine Klinik an der Beethovenstrasse in Zürich nach einer Schönheitsbehandlung im Ausland aufsuchen. Der Grund: Sie fühlen sich komplett missverstanden. In einigen Fällen wurde viel zu viel an ihrem Aussehen verändert. Als Folge fühlen sich die betroffenen Personen nicht mehr wohl in ihrer Haut und getrauen sich kaum noch unter die Leute. Da stellt sich natürlich die Frage: «Wie konnte es soweit kommen?» Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung sind es zwei Gründe, die zu einem solchen Debakel führen. Der erste Grund ist einfach: Im Ausland gelten oftmals andere Schönheitsideale als in der Schweiz. Was in manchen Ländern als «gelungene Schönheitsoperation» gilt, ist für viele Schweizerinnen und Schweizer nicht erstrebenswert.

Der zweite Grund sind Sprachschwierigkeiten. Eine Schönheitsoperation braucht sehr viel Einfühlungsvermögen. Das Gespräch im Vorfeld ist mindestens genauso wichtig wie die eigentliche Behandlung. Nur wenn sich Fachärztin und Kundin 100 % verstehen, kann der Eingriff gelingen und zum gewünschten Resultat führen. Falsch interpretierte Aussagen können fatale Auswirkungen haben. Selbst bei einer Unterhaltung auf Deutsch kann es zu Missverständnissen kommen. Eine optimale Verständigung zwischen Ärztin und Patientin ist deshalb für den Erfolg einer Schönheitsoperation unabdingbar.

Ein weiterer Punkt, der gegen Schönheitsoperationen im Ausland spricht, ist die Nachkontrolle. Selbst bei relativ einfachen Eingriffen wie einer Fillerbehandlung ist eine Nachkontrolle zwingend notwendig. Und nicht selten sind bei dieser Nachkontrolle kleinere Korrekturen notwendig. Viele Frauen und Männer, die sich im Ausland einer Schönheitsbehandlung unterziehen, vergessen diesen Umstand komplett – und lassen dann die Kontrolle einfach weg, weil sie keine Lust haben, schon wieder ins Flugzeug zu steigen oder mit dem Auto durch halb Europa zu fahren. Noch schlimmer sind kleinere und grössere Komplikationen nach Schönheitsoperationen. Und die können selbst bei den allerbesten Spezialisten vorkommen. In solchen Fällen ist es entscheidend, dass die Fachärztin schnell verfügbar und ebenso schnell erreichbar ist.

Fazit: Schönheitsoperationen im Ausland müssen wohl überlegt sein.

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Ich bin Fachärztin für Chirurgie (FMH) und Fachärztin für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie (FMH) und leite die «Clinic Beethovenstrasse» in Zürich. Mein Spezialgebiet sind Brustverkleinerungen, Brustvergrösserungen, Schamlippenverkleinerungen und Faltenbehandlungen mit Hyaluronsäure (Filler).
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